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Oh Gott, Der verwendet Verdana ...

Nerd

Jo. Das aktuelle Jahr ist 2017. Und Verdana ist ja schon eine recht alte Schrift, die wurde bereits 1996 entworfen.

Gottes Wege sind halt manchmal etwas sonderbar. Und die Meinungen von “Designern” oder, noch schlimmer, Schriftgestaltern ist vielleicht manchmal auch etwas sonderbar?

Verdana ist immer noch auf vielen Systemen vorhanden. Oder es wird automatisch eine brauchbare Alternative gewählt. Ausserdem gibt es ja noch den Fallback Wert “sans-serif”. Damit sind dann annähernd 100% der Fälle abgedeckt.

Die Schrift wurde für gute Lesbarkeit am Bildschirm entwickelt. Dass im Jahr 1996 die Auflösung der Monitore “nicht ganz so gut” war, der Teil wird den Meisten einleuchten. Daraus folgt aber eben nicht, dass mit höheren Auflösungen die Schrift schlechter lesbar ist. Moderne Alternativen – es gibt schliesslich tausende Schriftarten – gibt es natürlich. Und die eine oder andere Schrift wird schon ein bisschen flotter aussehen, das mag schon sein. Weil aber jedes System seine eigenen Schriften bevorzugt wird das recht schnell kompliziert. Es ist nicht genug damit, dass IOS, Android, Mac OS, Windows, Linux andere Vorlieben haben, das wechselt auch noch innerhalb der System-Familien. Was auf einem älteren Windows “aktuell” war, das wird im neueren System oft ersetzt. Außer “man” verwendet eine Allerweltsschrift.

Und weil immer mehr Seiten Webfonts laden – und damit langsamer werden – werden Verdana, Helvetica, Arial und Co. eben selterner verwendet. Das Argument, dass man sich sattgesehen hat ist damit hinfällig. Wobei Sprüche wie “die Seite lese ich nicht, die ist in Verdana!” ohnehin recht selten waren und sind. Im Jahr 2009 gab es mal eine hitzige Diskussion über eben “Verdana”, weil IKEA seine Schriftart für den gedruckten Katalog gewechselt hatte. Zur “billigen” Verdana.

Interessant dabei ist vielleicht: im Internet finden sich um den Zeitraum August/September 2009 ganz viele Artikel zum Thema. Wie schlimm das ist. Möglicherweise haben sich zu der Zeit auch, wegen Verdana, einige Designer aus dem Fenster gestürzt. Darüber habe ich allerdings im Web nichts gefunden. Danach, nach August/September 2009, nicht nach den Fenstersprüngen der Schriftliebhaber, ist die Diskussion recht schnell verstummt. Wie das im Web recht häufig ist: heisse Luft, Morgen reden wir dann von was anderem. Oder so.

Links:

Verdana ist leicht Lesbar. Punkt.

Und wegen den vielen neuen tollen Webfonts nicht mehr allzuhäufig anzutreffen. Warum sollte die Schrift nicht verwendet werden?

Allgemeine Links:

Und noch was von ganz weit weg: Study: Terrible Fonts Make People Less Religious.


P.S.: Der Teil, dass Verdana eine “Bildschirmschrift” ist, den Teil finde ich auch interessant. Wenn also jemand die Schrift für einen Druck verwendet, dann ist das “falsch”. Weil man ja gelernt hatte, dass die Schrift für den Bildschirm gemacht ist. Wie in vielen Bereichen gilt hier, dass “selber denken” schwierig ist.

P.P.S.: In der englischen Wikipedia wird im Verdana Artikel IKEA sogar erwähnt.

“Typography is a beautiful group of letters, not a group of beautiful letters”.


Interessant für mich ist, dass eben nach dem – sehr kurz andauernden – Geschrei beim Thema IKEA und Font Wechsel nix mehr gehört wurde. Beim Stöbern habe ich noch einige vereinzelte Hinweise gefunden, den Verbraucher interessiert es nicht die Bohne. Da können Typografie-Spezialisten und Branding-Manager noch so viele Reden schwingen: es spielt sehr oft keine Rolle wenn solche Kleinigkeiten am Design geändert werden.

Die Frage ist: in wie vielen Bereichen (Design, Suchmaschinenoptimierung, Marketing etc.) wird irgendwas als waaaahnsinnig wichtig hochstilisiert … das letztendlich keine Rolle spielt.

Fazit: Einige finden vielleicht die Schrift hier Scheisse. Und das Ergebnis davon ist dann eben, dass Einige die Schrift Scheisse finden. Am Lauf der Welt ändert sich dadurch, höchstwahrscheinlich, nix.


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